Ein Leben am Ende der Welt – Selbstversuch

Es ist schon ein paar Jahre her, als Yating etwas von Picacho gelesen hatte. Picacho ist ein Bauernhof, deren Besitzer nach freiwilligen Helfern suchen, die eine Zeit lang auf der Farm mithelfen und leben. Mal etwas Leben auf dem Bauernhof zu probieren währe sicher eine intressante Erfahrung, leider lag Picacho am anderen Ende der Welt im sehr abgeschiedenen Amazonasgebiet Boliviens nur wenige Kilometer von der brasilianischen Gränze entfernt. Aber wie es der Zufall so will sind wir jetzt in Bolivien nur noch 650km von der Farm entfernt. Die Region der Farm ist nur über eine einzige 320km lange schlechte Lehmstraße zu erreichen. Wir brauchen in der trockenzeit für diese 320km „nur“ 2,5 Tage – in der Regenzeit braucht der Bus bis zu 3 Wochen dafür.

Emfangen wurden wir von ein paar grasenden Pferden gefolgt von einem kleinen Teich mit schnatternden Gänsen und gackernden Hühnern. Der Besitzer führt uns durch seine Farm und zeigt uns seine Bananen, Obstbäume, Kaffe, Ananas und Pfefferpflanzen. Unter den vielen Obstbäumen sind auch zahlreiche rießige Mangobäume, die in dieser Jahreszeit statt leckere Früchte leider nur unmengen leicht brennbares Laub produzieren, das wir wegen der hohen Brandgefahr tagelang zusammentragen und verbrennen mussten.

Füttern von Hühnern und Enten
Füttern von Hühnern und Enten
Kaninchen
Termitenhaufen ausgraben als Hühnersnack.

Die Besitzer Maurus und Ushi sind zwei ehemalige Globetrotter, die auf iher Südamerikareise vor 17 Jahren hier in Bolivien hängengeblieben sind. Neben den wächselnden Helfern leben auf der Farm noch 3 Hunde, 3 Katzen und Paco. Paco ist der Liebling der Beiden, ein unglaublich verwöhntes fettes Nagetier, das immer am Tisch mitessen darf.

Die Beiden leben hier von ihren Obstbäumen und ihren Milchkühen sowie dem Verkauf von Hühnern, Enten, Kühen und Milchprodukten. Da der nächste Bauernmarkt gut 250km entfernt ist verkaufen oder tauschen die Beiden ihre Dinge im 14km entfernten 200 Seelen Dorf durch den Gang von Haustür zu Haustür. Zum Einkaufen gibt es nur die mehrtägige Busfahrt in die 650km entfernten Großstatt Santa Cruz.

Stom- und Wasserversorgung gibt es hier natürlich auch nicht. Einzig das Küchenhaus verfügt über ein Solarpannel für Licht in den Abendstunden und zum Aufladen von Taschenlampen und Elektronikkram. Die Wasserversorgung ist durch eine selbstgelegt ca. 2km lange Leitung von einem der nahegelegenen Wasserfälle aus frischem Bergwasser realisiert. Gekocht wird meist auf einer Holzkochstelle, denn das Gas für den Gasherd kommt auch aus Santa Cruz und ist daher hier oben 3 mal so teuer wie im Rest Boliviens. Cool ist ein selbstgebauter Steinofen in dem wir leckere Pizza und Brot zubereiten. Die Häuser ansich sind in traditioneller bolivianischer Bauweise errichtet, das heist aus ungebrannten Lehmziegeln und mit Palmblätterdach, welche die Räume trotz glühender Mittagssonne erträglich warm hält. Theoretisch haben auch die Gäste ihr eigenes Haus bekommen, nur wird dieses aktuell leider von Flöhen beansprucht weshalb wir lieber unser Zelt aufgeschlagen haben. Neben den Flöhen gibt es auch alle möglichen Stechmücken, mindestens eine Sorte für jede Tages- oder Nachtzeit.

In unserer Freizeit lesen wir unsere Reiseliteratur oder unterhalten uns mit Maurus und Ushi, die uns etwas über Bolivien und ihre Erfahrungen hier berichten. Am Wochenende sind wir zu den nahegelegenen Wasserfällen gegangen um im kühlen Nass zu planschen. An einem Feiertag sind wir einmal mit Maurus zu einer Geburtstagsfeier ins Dorf gefahren.

Doch leider steht es um das kleine Paradies nicht zum Besten, denn der Haussegen hängt schief. So verwandelte sich der ausgeglichene, freundliche und gesprächige Maurus mit Uschis Rückkehr aus Europa über Nacht in eine mürrische gereizte Persönlichkeit. Daran konnten auch Uschis Versuche die dicke Luft mit aufgesetzten Gesprächen zu kaschieren wenig ändern. Als dann auch wir zwischen die Fronten ihrer schlechten Laune gerieten beschlossen wir vorzeitig abzureisen u.a. auch weil nach gut einer Woche stupidem Laub sammel und mit großen Rauchwolken verbrennen unsere Motivation den beiden auf der Farm zu helfen sich dem Ende neigte.

Vom Dorf ausschau, andere Seite des Fluses ist schon Brasilien.

2 Gedanken zu “Ein Leben am Ende der Welt – Selbstversuch

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