Kolumbien, eine Reise Wert?

Kolumbien ist keine Urlaubsziel auf der Liste den meisten Asiaten, vielleicht wegen dem Vorurteil “es sei gefährlich”. Für uns fühlte es sich genau so an wir überall in Südamerika – man sollte die eigenen Dinge im Auge behalten und manche Gegenden nachts meiden. Das gefährlichste scheint uns die kolumbianische Polizei zu sein, die uns andauernd vertreiben möchte weil es angeblich überall viel zu gefährlich ist.

Auf uns wirkt Kolumbien relativ mordern und fortschrittlich. So gibt es hier beispielsweise Straßenbäume, welche passend zu den unterschiedlichen Klimazonen gepflanzen werden und die Fahrt unter der heißen Tropensonne angenehm erfrischend gestalten. Neue Straßen führen schon mal um große alte Bäume herum anstatt diese dem Asphalt zu opfern.

Auch die schönen bunt bemalten Häuser zeigen uns wie die Bewohnern ihren Lebensraum sehen und gestalten und so gibt es für Farbe fast immer ein Budget. Das Bewusstsein für Lebensqualität spiegelt sich zu unserer Freude auch in Zahl und Angebot der vegetarischen Küchen wieder, welche meist kulinarische Leckerbissen statt nur gekochter Linsen auftischen.

Erstmals in Südamerika sehen wir viele Fahrradfaher. Vom voll ausgestatteten Hobbiprofirennradler bis hin zum gemütlichen Familienausflug – das Freizeitradeln ist super in. Auch Wandern und andere Outdooraktivitäten sind voll im Trend. Es scheint die Kolumbianer lieben und schätzen die schöne Welt in der sie Leben.

Was wir von Kolumbien sehen können oder dürfen ist jedoch nur seine offene und blühende Seite, der sichere Lebensraum der großen kolumbianischen Mittelschicht. Im Gespräch mit Einheimischen erfahren wir, dass es auch ein anderes Kolumbien gibt, ohne Infrastruktur, mit großer Armut, Drogenbauern und -händlern, Raub und Mord – Folgen großer Sozialer unterschiede. In diesem vom Staat scheinbar vergessenen Kolumbien biete die Guerilla oftmals die einzige Unterstützung der Bevölkerung. So verwundert es nicht das dieses Jahr zu den kolumbianischen Parlamentswahlen erstmals die FRAC, die ehemals größte Guerilla Gruppe Kolumbiens, als Partei kandidiert um die „alternativen revolutionären Kräfte des Volkes“ zu vereinen – ein Versuch für ein friedliches Kolumbien.

Unseren eigenen Besuch in Kolumbien sehen wir als gescheitert. Wir haben den Eindruck, wir haben nichts gesehen trotz 2 Monaten aufenthalt. Wir waren viel unterwegs, haben aber kaum Orte gefunden, die zum Verweilen einladen obwohl Kolumbien ein so schönes grünes Land ist. Das Problem ist alles ist verkauft, alles in privat Besitz, alles mit Stacheldraht eingezäunt und mit „Zutritt Verboten“ Schildern tapeziert. Und so ist das Land trotz seiner Schönheit vor uns weitgehend verschlossen geblieben. Wir haben viele Orte gesehen, an denen wir gerne eine Weile geblieben währen, aber oftmals versuchte die Polizei uns zu vertreiben.

Aber die schönsten Orte haben wir sowiso nie gesehen, denn laut einer Freundin sind das jene Orte weit weg der Menschen, jene Orte ohne Straßen, die nur ein zwei mal in der Woche durch kleine Flugzeuge angeflogen werden, jene Orte die für unseren PapaZao unerreichbar sind. Und so bleibt der Eindruck eines schönen Landes mit sehr netten Menschen, dessen Schönheit wir leider nur flüchtig bewundern konnten.

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